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​Hohes Alter, aber nicht für alle ​

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[js] Wir werden immer älter. Um 1900 betrug die mittlere Lebenserwartung der Menschheit geschätzt 30 Jahre. Heute ist sie bei einem Durchschnitt von rund 71 Jahren angelangt – ein Zugewinn an Lebenszeit von etwa dreieinhalb Jahren pro Jahrzehnt. Frauen in Japan, die weltweiten Spitzenreiterinnen, kommen inzwischen im Mittel auf fast 87 Jahre. In den Industrieländern beruht der stetige Anstieg der Lebenserwartung wesentlich darauf, dass sich durch moderne Medizin und Prävention die Überlebenswahrscheinlichkeit für die hohen Altersgruppen erhöht hat.

Foto: somrerk witthayanant / Shutterstock.com

Vor allem gibt es aber auch Entwicklungen, die zumindest regional beziehungsweise in bestimmten Schichten der Gesellschaft den Anstieg der Lebenserwartung bremsen. So können neugeborene Jungen im wohlsituierten bayerischen Landkreis Starnberg mit rund acht Jahren mehr Lebenszeit rechnen als ihre Geschlechtsgenossen im rheinland-pfälzischen Pirmasens.

„Viele Studien belegen, dass zwei Faktoren entscheidend sind für gesundheitliche Ungleichheit und damit das Risiko, vorzeitig zu sterben: der Sozialstatus und das Bildungsniveau”, so Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Je niedriger der sozioökonomische Status, desto höher die subjektiv erlebte Stressbelastung. Auf Dauer fördert dieser Lebensstress die Entstehung von körperlichen Erkrankungen, Depressionen und anderen psychischen Störungen.

Hinzu kommt, dass Risikofaktoren für die Gesundheit – wie Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen – in Gruppen mit niedrigem Sozialstatus überproportional häufig vorkommen.

Quelle: Sütterlin S. 2017. Hohes Alter, aber nicht für alle. www.berlin-institut.org/publikationen/studien/hohes_alter_aber_nicht_fuer_alle.html; Zugriff am 30.6.2017


​Heft 8-2017

 

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