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Auf geht’s – ab geht’s!

Therapeuten-Demo in Kiel: Die Stimmung ist aufgeheizt!

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Als Mitglied der Interessengemeinschaft Physiotherapie Schleswig-Holstein e. V. (IGPT-SH) organisiere ich heute zum ersten Mal gemeinsam mit dem Bund vereinter Therapeuten e. V. (BvT) eine Demonstration für Heilmittelerbringer. Ich bin total aufgeregt, wie es laufen wird. So eine Veranstaltung organisiert man nicht alle Tage – für mich und meinen Verein absolutes Neuland. Die Leute vom BvT sind da schon alte Hasen: Es ist ihre fünfte Demo.

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Einigkeit macht stark

Dies ist ein Leitspruch, der sich aus dem lateinischen „Ex unitate vires“ (aus Einigkeit Kraft) ableitet. Einigkeit ist ja so eine Sache, die nicht jeder kann oder vielleicht auch nicht jeder will. Ich denke da nur an 19 Berufsverbände für alle Arten von Therapeuten. Viel habe ich in fünf Jahren Berufstätigkeit noch nicht von denen gehört, geschweige denn Fortschritt miterlebt! Alle haben die gleichen Forderungen: Eine bessere Vergütung und weniger Bürokratie stehen ganz oben auf der Liste. Trotzdem ist von einer starken Gemeinschaft keine Spur in Sicht! Ich bin gespannt, wie einig sich heute alle sind. IGPT-SH und BvT sind meiner Meinung nach schon mal auf dem richtigen Weg!

 

Weg frei für die Therapeuten der Zukunft

Den ganzen Samstagvormittag wetze ich schon beim Aufbau hin und her! Das Wetter spielt schon mal mit. Danke, lieber Wettergott, zumindest einer meint es gut mit uns Therapeuten. 20 Minuten vor zwei Uhr bekomme ich kurz Panik, weil gerade mal 20 Leutchen am Bahnhof stehen; doch kurz vor zwei ist der Platz gerammelt voll: Über 500 Leute stehen um mich herum und trillern, was das Zeug hält.

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„Ihr lauft hier für alle!“

Der Zug setzt sich in Bewegung und skandiert: „Volksgesundheit schafft ihr nie ohne unsere Therapie!“ Das hat auch der Herr von der Polizeieskorte verstanden: „Ihr steht und lauft hier für alle und nicht nur für euch Therapeuten!“ Ganz nach unserem Motto ist seine heutige Aufgabe, die Straßen frei zu machen für die Therapeuten der Zukunft!

Karsten Jasper, Landtagsabgeordneter der CDU in Schleswig-Holstein, ist in der Menschenmasse durch die Innenstadt bis zum Holstenplatz ganz vorne mit dabei. Sein Eindruck als gesundheitspolitischer Sprecher: „Ich bin überrascht, wie viele Menschen, wie viele Therapeuten hier an dieser Demo teilnehmen und wie engagiert alle sind.“

Laut geht es auf dem Holstenplatz weiter, wo schon die Band „Krankenkasse“ abrockt. Wie passend, denke ich. Die Krankenkassen haben sich ja bereits gestern im Radio zum Thema Heilmittel geäußert: Es gebe keinen Grund für Beschwerden vonseiten der Therapeuten. In Schleswig-Holstein sei im letzten Jahr vergleichsweise mehr für Heilmittel ausgegeben worden als in anderen Bundesländern. Wow! Swanhild Priestley, die Erste Vorsitzende der IGPT-SH, weist auf den bestehenden Fachkräftemangel hin und darauf, dass wir dem Mehrbedarf an Therapie in Zukunft nicht gewachsen sind. David Lopez, Erster Vorsitzender des BvT, unterstreicht dies mit den Ergebnissen einer Online-Umfrage von Volker Brünger: 80 Prozent aller Therapeuten planen bei aktuellen Bedingungen ihren Berufsausstieg! Im Anbetracht des demografischen Wandels heißt es dann wohl: Weg frei für die Rollatorengesellschaft!

 

Laut werden!

Neben den Vorsitzenden von IGPT-SH und BvT stehen heute folgende Verbandsvertreter auf der Bühne: Conny Utrata (Logo Deutschland), Christine Donner (Bundesverband der Ergotherapeuten) sowie Stefan Kraus und Edgar Lerch (VDB-Physiotherapieverband). IFK und ZVK haben es auch diesmal nicht geschafft, der Einladung zur Demo zu folgen, geschweige denn, ihre Mitglieder über diese Veranstaltung zu informieren. Dies sei aktuell nicht der richtige Weg, heißt es – angeblich würden Gespräche mit der Politik gestört werden.

Die anwesenden Abgeordneten aus dem Landtag in Schleswig-Holstein, Karsten Jasper (CDU; Gesundheitspolitischer Sprecher / Mitglied im Sozialausschuss) und Bernd Heinemann (SPD; Gesundheitspolitischer Sprecher / Erster Landtagsvizepräsident), sowie MdB Thomas Stritzl (CDU; Mitglied im Ausschuss für Gesundheit) wirken auf der Bühne nicht so: Laut werden sollen wir, Druck machen, heißt es von Karsten Jasper und Bernd Heinemann. Die Unterstützung aus dieser Richtung ist gesichert!

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Kampfansage für 2017!

David Lopez fordert alle Therapeuten auf, gemeinsam im nächsten Jahr zu den Wahlen in Berlin auf die Straße zu gehen; 20.000 bis 30.000 Leute sollen kommen. Na, dann los! Wir bringen den Leuten in Berlin mit unseren Trillerpfeifen ordentlich die Ohren zum Klingeln! Um den Weg für Therapeuten frei zu bekommen, reicht wohl in Zukunft keine Polizeieskorte mehr, sondern es wird eher ein Kampfgeschwader benötigt.

 

„Wir-Gefühl“

Alle auf der Bühne sprechen von Gemeinschaft. Hat bis hier auch gut geklappt: Es sind viele Vertreter gekommen. Auch die Politik fordert eine einheitliche Stimme von den Therapeuten. Es heißt, wir brauchen eine starke Lobby. Genau das höre ich schon seit meiner Ausbildung. Kann mir jemand sagen, wo wir die herbekommen? Die Verbände erfüllen diese Aufgabe zurzeit nicht. Die Antwort kommt prompt: Swanhild Priestley sieht die demokratisch legitimierte Vertretung für Therapeuten in einer Kammer. Mit ihr könnte man alle Therapeuten zusammenfassen und für die Politik greifbar machen. In greifbarer Nähe wären dann auch der von allen geforderte Sitz sowie das Stimmrecht im G-BA. Für mich klingt das ganz vernünftig. Diese Meinung teilen zwar nicht alle, aber im Großen und Ganzen herrscht doch Einigkeit. Juhu! Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt! Immerhin haben wir viele Mitstreiter für die Demo gefunden und viele Kollegen auf die Straße gelockt. Die meisten sind allerdings schon ins Wochenende verschwunden und ich bin heilfroh, dass alles geklappt hat. Viele habe heute zu mir gesagt, dass es echt eine super Aktion war. Mit Stolz kann ich sagen, dass unsere beiden Vereine echt was bewegt haben!

Was ich nach dieser Aktion sagen kann: Vereinsarbeit ist wie sieben Tage altes Brot – knüppelhart. Zieht man aber mit anderen zusammen am gleichen Strang, beißt man sich auch durch den härtesten Knust!

 

FOTOS
Ines Rohwer

 

pt_online: 02.5.2016

Autor

Ines Rohwer

Seit 2011 staatlich anerkannte Physiotherapeutin, Physiotherapieschule Damp; seit 2013 Bachelor of Science Physiotherapie, Fachhochschule Kiel; seit 2013 CMD-Therapeutin; seit 2013 Mitarbeiterin der Holstein Reha Kiel; seit 2014 IHK-zertifizierte betriebliche Gesundheitsmanagerin; seit 2015 Gründungs- und Beiratsmitglied IGPT-SH.

inesrohwer@hotmail.de

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