_Evidenzbasierte Therapie

Cochrane-Update 1 2019

PT-relevante CRs der Cochrane Library Ausgabe 11 / 2018 (1. bis 30. November)

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Ein Beitrag von Cordula Braun1 und Tanja Boßmann2 

Wir suchen für Sie

Die systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration, Cochrane Reviews (CRs), sind weithin als Goldstandard für systematische Reviews zu Fragestellungen aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung anerkannt. Wir möchten Ihnen den Zugang zu dieser bedeutsamen Quelle hochwertiger Evidenz so einfach wie möglich machen, um Sie darin zu unterstützen, aktuelle Cochrane-Evidenz im Sinne der evidenzbasierten Physiotherapie in Ihre tägliche Praxis einzubeziehen. Deshalb durchsuchen wir für Sie regelmäßig die Cochrane Library, „Heimatort“ aller CRs, nach allen neu publizierten, das heißt neuen oder neu aktualisierten CRs mit Relevanz für die Physiotherapie (PT) in Deutschland und stellen diese kompakt für Sie zusammen – in einer tabellarischen Übersicht, die eine von uns formulierte, auf Deutsch verfasste klinische Fragestellung sowie Kerninformationen zu jedem CR enthält.

Wir übersetzen für Sie

Aus allen relevanten Neuzugängen einer Monatsausgabe der Cochrane Library wählen wir je nach Verfügbarkeit und Eignung ein bis zwei CRs aus, deren „Plain Language Summary“ (laienverständliche Zusammenfassung, kurz: PLS) wir ins Deutsche übersetzen: Zu jedem CR gibt es neben dem Abstract, der wissenschaftlichen Zusammenfassung, ein solches PLS, in dem die wesentlichen Reviewinhalte insbesondere medizinischen Laien und Menschen ohne wissenschaftliche Kenntnisse verständlich vermittelt werden sollen. All unsere PLS-Übersetzungen werden nach ihrer Fertigstellung in der Cochrane Library publiziert, wo sie dauerhaft für jedermann frei zugänglich sind – zu finden über die in der tabellarischen Übersicht angegebenen Links zu den Reviews; die PLS befinden sich in der Cochrane Library jeweils unter dem Abstract. Im Anschluss an die tabellarische Übersicht drucken wir in der Regel ein übersetztes PLS ab. Die Verfügbarkeit eines deutschen PLS kennzeichnen wir in der Übersicht für jeden CR durch ein Flaggensymbol (siehe Legende).

Unsere methodische Vorgehensweise

Informationen zu unseren Kriterien für die Beurteilung der PT-Relevanz sowie zu unserer Vorgehensweise bei der Erstellung der PLS-Übersetzungen finden Sie in unseren Einführungsartikeln (siehe Infos zur Methodik).


PLS-Übersetzung

Borges L, et al. 2018. Action observation for upper limb rehabilitation after stroke.

Link zum CR: www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011887.pub2/full


Bewegungsbeobachtung in der Arm-Rehabilitation nach Schlaganfall

Reviewfrage

Unser Ziel war es, die Wirkungen von Bewegungsbeobachtung auf die Arm- und Handfunktion nach einem Schlaganfall mit einer anderen Therapiemaßnahme oder keiner Behandlung zu vergleichen.

Foto: wright studio / shutterstock.com

Hintergrund

Der Schlaganfall zählt zu den weltweit häufigsten Ursachen von Tod und Behinderung. Von einem Schlaganfall betroffene Menschen haben häufig Schwierigkeiten mit der Bewegung ihrer Arme, was zu Schwierigkeiten bei der Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens und zu Einschränkungen der Teilhabe an alltäglichen Situationen führen kann. Die Bewegungsbeobachtung ist ein Ansatz in der Arm-Rehabilitation, bei dem der SchlaganfallPatient eine gesunde Person bei der Durchführung einer Aktivität beobachtet, entweder in einem Video oder durch direkte Beobachtung. Dieser Beobachtung kann die eigenständige Durchführung derselben Aufgabe durch den Patienten folgen. Diese ungefährliche Methode kann ohne teure oder komplizierte Ausrüstung durchgeführt werden und erfordert nur eine minimale therapeutische Betreuung. Studien haben gezeigt, dass die Bewegungsbeobachtung ähnliche Bereiche des Gehirns aktiviert, wie sie bei der tatsächlichen Durchführung derselben Aktivität aktiviert werden, und dass sie möglicherweise die Verbesserung der Bewegungsfähigkeit nach einem Schlaganfall fördert.

Studienmerkmale

Wir identifizierten zwölf Studien mit 478 Personen nach einem Schlaganfall. Die meisten nutzten Videosequenzen mit Bewegungsbeobachtung gefolgt von der Durchführung einer körperlichen Aktivität. Es wurden verschiedene Aktivitäten durchgeführt, mit Steigerung der Komplexität im Verlauf des Trainings oder wenn die Durchführung für den Patienten zu einfach wurde. Die Evidenz (der wissenschaftliche Beleg) ist auf dem Stand von Oktober 2017.

Hauptergebnisse

In den Studien wurde untersucht, ob der Einsatz von Bewegungsbeobachtung im Vergleich zu einer anderen Therapiemaßnahme oder keiner Behandlung bei den Teilnehmern eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Arms und der Hand bewirkte. Sie ermittelten, dass die Bewegungsbeobachtung zu einer besseren Arm- (acht Studien) und Handfunktion (drei Studien) führte.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz als moderat für die Handfunktion, niedrig für die Armfunktion und die Abhängigkeit bei Alltagsaktivitäten sowie sehr niedrig für die motorische Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Die Anwendung von Bewegungsbeobachtung war für die Teilnehmer gefahrlos, da es zu keinen unerwünschten Ereignissen in nennenswertem Ausmaß kam. Die Qualität der Evidenz für die einzelnen Ergebniskriterien war aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl, niedriger Studienqualität und unzureichender Berichterstattung der Studiendetails beschränkt.

Mit freundlicher Genehmigung durch die Cochrane Library

Anmerkungen

1 hochschule 21 Buxtehude, Studiengang Physiotherapie

2 Richard Pflaum Verlag GmbH & Co KG, pt Zeitschrift für Physiotherapeuten

Heft 01-2019


Cochrane News

Ein Highlight des 3. Forschungssymposium Physiotherapie der Deutschen Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft (DGPTW), das im November an der Universität zu Lübeck stattfand, war ein Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Gerd Antes zum Thema „Entscheidungshilfen für Physiotherapeuten aus den Ergebnissen vergleichender Patientenstudien“.

In seinem Vortrag sprach Prof. Antes unter anderem über aktuelle Fehlentwicklungen und Probleme bei der Generierung, Disseminierung und Implementierung von Evidenz – wichtige Themen, denen sich auch die Physiotherapie(-Wissenschaft) stellen muss.

Unsere „Cochrane für die Physiotherapie“-Aktivitäten hob Prof. Antes wieder sehr positiv als wichtige „Pionierarbeit“ hervor und ermutigte zum Weitermachen …

Am 1. Februar 2019 findet das 1. Symposium der Cochrane Deutschland Stiftung in Freiburg statt – mit einem spannenden Programm rund um das Thema „Wissenstransfer“ und vielen namhaften nationalen und internationalen Referenten.

Mehr Informationen gibt es hier: www.cochrane.de/de/ news/1-symposium-der-cochrane-deutschland-stiftung


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