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Erste Verhandlungsergebnisse mit den Krankenkassen gehen in die richtige Richtung

Im Gespräch mit Karl-Heinz Kellermann

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Mit dem Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) hat der Gesetzgeber die Weichen gestellt und nun stellt sich die Frage: wie geht es weiter? Die pt hat für Sie bei verschiedenen Vertretern aus der Berufspolitik nachgefragt, die jetzt am Zuge sind. Hier unser Interview mit Karl-Heinz Kellermann – Vorsitzender im Verband Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) e.V.

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Karl-Heinz Kellermann – Vorsitzender im Verband Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) e.V. Foto: VPT

Karl-Heinz Kellermann – Vorsitzender im Verband Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) e.V.
Foto: VPT

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten nächsten Schritte und wie setzen Sie diese konkret um?

Die nächsten wichtigen Schritte bestehen in der Umsetzung der Ergebnisse aus dem VSG und HHVG, Preisverhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen ohne Anbindung an die Grundlohnsumme, leider nur für drei Jahre, Erprobung von Modellvorhaben zur Blankoverordnung, Akademisierung der Heilmittelberufe, für den VPT die Akademisierung bei Beibehaltung der Fachschulausbildung (siehe Statement von Herrn Gröhe am 27. März 2017 anlässlich des Bundespolitischen Kongresses der CDU / CSU-Fraktion). Die Bewältigung dieser neuen Aufgaben sehen wir als gemeinsame Aufgabe aller Mitgliedsverbände des SHV, die Abstimmungsgespräche hierfür finden bereits seit geraumer Zeit statt.

Die Vergütung soll sich verbessern – wieviel Steigerung ist Ihrer Einschätzung nach realistisch?

Dafür benötigen wir aussagefähige, betriebswirtschaftliche Analysen physiotherapeutischer Praxen. Diese erfordern eine breite und aktive Mitarbeit aller Kolleginnen und Kollegen im gesamten Bundesgebiet, damit wir valide Zahlen bekommen. Die seit Jahren vorhandene Differenz in der Vergütung unserer qualifizierten Leistungen gilt es auszugleichen, damit die Berufe des Physiotherapeuten und Masseur und med. Bademeisters wieder attraktiv werden und der Fachkräftemangel beseitigt werden kann. Erste vorliegende Verhandlungsergebnisse mit den Krankenkassen für eine spürbare Vergütungserhöhung gehen bereits in die richtige Richtung.

Welche Hürden erwarten Sie und was tun Sie dagegen?

Wir hoffen, dass zwischenzeitlich auch die gesetzlichen Krankenkassen die dramatische Versorgungssituation im Heilmittelbereich erkannt haben. Der Versorgungsauftrag der Versicherten liegt in der Verantwortung der gesetzlichen Krankenkassen, momentan kann dieser nicht mehr in vollem Umfang erfüllt werden. Durch den Fachkräftemangel in der Physiotherapie können schon heute nicht mehr alle Hausbesuchsbehandlungen durchgeführt werden, für chronisch kranke Menschen gibt es schon heute eine Unterversorgung. Diese absolut kritische Situation kann nur durch eine angemessene Vergütung unserer Leistungen verbessert werden, damit mehr junge Menschen sich für die Berufe in der Physiotherapie begeistern. Auch die Schulgeldfreiheit ist ein wichtiges Thema. Wir werden bei den anstehenden Kassenverhandlungen nachdrücklich auf den ausgesprochenen politischen Willen zur Stärkung der Heilmittelberufe hinweisen. Dies gilt für die Gebührenverhandlungen, für die Einführung der Modellregionen im gesamten Bundesgebiet und für die dringend nötige Ausbildungsreform inklusive Schulgeldfreiheit.

Was können die Kollegen in den Kliniken und Praxen tun, um ihren eigenen Beitrag zur Verbesserung zu leisten?

Wie bereits angesprochen, die Kolleginnen und Kollegen sollten sich zumindest breit in der Fläche an der betriebswirtschaftlichen Analyse beteiligen. Darüber hinaus ist natürlich eine aktive und konstruktive Mitarbeit im Verband für die gesamte Kollegenschaft fruchtbar und herzlich willkommen. Wer der Meinung ist, dass die Verbände, welche alle ehrenamtlich tätig sind, keine mitgliederorientierte Arbeit leisten, der möge seine eigene Kompetenz gern zur Verfügung stellen und selbst aktiv zur Verbesserung beitragen.

Das Gespräch führte Tanja Boßmann

Autor

Tanja Boßmann

Physiotherapeutin; 2007 Abschluss des Masterstudiums an der Phi­lipps-Universität Marburg; Chefredakteurin, pt_Zeitschrift für Physiotherapeuten; seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin Fakultät für Sport- und Ge­sund­heitwissenschaften, FB kons. und rehab. Orthopädie, Technische Universität München.

tanja.bossmann@pflaum.de

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