_Evidenzbasierte Therapie

Kniearthrose: Steht Schmerzsensibilisierung im Zusammenhang mit einer schlechteren Prognose für den Behandlungserfolg?

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Grafik: a_Jarm / shutterstock.com

Es ist bereits bekannt, dass Schmerzsensibilisierung zu einer Verschlechterung von Symptomen beitragen kann. Der prognostische Wert in Bezug auf den Behandlungserfolg konservativer Therapien wie Physiotherapie wurde bisher nicht untersucht. Daher schlossen Forscher aus Irland insgesamt 156 Patienten mit moderat bis schwer ausgeprägter, radiologisch bestätigter Kniearthrose (Schmerzintensität > 4 / 10 auf der Numerischen Ratingskala) in ihre Studie ein.

Die Untersuchungen fanden in drei verschiedenen Abteilungen für Physiotherapie in Dublin statt. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Injektionen in das Kniegelenk oder einer physiotherapeutischen Behandlung in den letzten drei Monaten, systemischen Entzündungen, kognitiven Einschränkungen, gering ausgeprägten Beschwerden, rückenbedingten ausstrahlenden Schmerzen, Hinweisen auf neuropathische Schmerzen sowie bei Einnahme von zentral wirksamen Medikamenten (zum Beispiel Antidepressiva).

Zu Beginn füllten die Patienten Fragebogen zu demografischen Variablen sowie Schmerzanamnese aus; hinzu kamen Assessments wie der Central Sensitization Inventory und die Centre for Epidemiologic Studies Depression Scale. Co-Morbiditäten wurden mit dem Self-administered Comorbidity Questionnaire (SACQ) abgefragt. Außerdem wurden die Patienten im Rahmen der quantitativ sensorischen Testung (QST) von einem erfahrenen und speziell geschulten Therapeuten auf Schmerzsensibilisierung hin untersucht. Dazu gehörten der Test von Vibrationsempfinden und leichter Berührung, die Untersuchung von thermaler Hyperalgesie, mechanischer temporaler Summation (Anstieg der Schmerzintensität bei repetitiver nozizeptiver Reizung) und Druckschmerzschwelle sowie die Prüfung der körpereigenen Schmerzhemmung (conditioned pain modulation).

Unabhängig vom Ergebnis der QST-Untersuchung erhielten die Patienten eine leitliniengerechte Physiotherapie mit vier bis sechs individuellen Einheiten oder eine Kombination aus Gruppen- und Einzelsitzungen. Die Patienten führten Übungsprogramme mit Kräftigungs- und Ausdauerelementen (Walking, Radfahren) und Beweglichkeitstraining durch. Zudem vermittelten die Therapeuten Selbstmanagement-Strategien und rieten zur Gewichtsreduktion, wenn nötig.

134 dieser Patienten wurden dann nach der leitliniengerechten physiotherapeutischen Intervention anhand definierter Kriterien als Responder (Behandlungserfolg) oder Nichtresponder (kein Behandlungserfolg) klassifiziert. Die wichtige Frage war: Können einzelne oder mehrere Tests aus der QST-Batterie den Behandlungserfolg oder dessen Ausbleiben vorhersagen?

Die Auswertungen zeigen, dass eine erhöhte temporale Summation sowie eine geringere Druckschmerzschwelle robuste Prädiktoren für das Ausbleiben des Behandlungserfolgs waren. Ebenfalls ungünstig war das Vorliegen vieler Co-Morbiditäten.

Quelle: O’Leary H, et al. 2018. Pain sensitization associated with non-response following physiotherapy in people with knee osteoarthritis. Pain. May 22. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29794610

Heft 08-2018


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pt_Redaktion

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