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Lässt sich Schlafmangel an freien Tagen kompensieren?

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Foto: Stock-Asso / shutterstock.com

[js] Ob sich chronischer Schlafmangel während der Arbeitswoche auf die Lebenserwartung auswirkt, scheint auch vom Schlafverhalten am Wochenende abzuhängen. Der Zusammenhang zwischen Nachtruhe und Mortalität lässt sich zahlreichen Studien zufolge mit einer u-förmigen Kurve beschreiben: Demnach ist bei unter 65-Jährigen sowohl kurzer als auch ausgedehnter Schlaf mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden.

Bei den Angaben zur Schlafdauer dürfte in der Regel der Schlaf an Werktagen ausschlaggebend gewesen sein, wie Wissenschaftler um Torbjörn Åkerstedt vom Karolinska-Institut in Stockholm vermuten. Das Team hat deswegen untersucht, wie sich das Schlafverhalten an freien Tagen auf das Überleben auswirkt.

Basis war eine schwedische Kohortenstudie mit fast 44.000 Erwachsenen, die ausführlich über Lebensgewohnheiten und medizinische Anamnese Auskunft gegeben hatten und 13 Jahre lang nachbeobachtet worden waren. Ein kurzer Nachtschlaf am Wochenende erwies sich zumindest bei den unter 65-Jährigen als ungünstig: Ihre Mortalität lag im Studienzeitraum um 52 Prozent höher als in der Referenzgruppe, die sich etwa sieben Stunden Schlaf gönnte.

„Die Ergebnisse implizieren, dass kurzer Schlaf an Arbeitstagen keinen Risikofaktor für die Mortalität darstellt, sofern er mit einem mittleren bis langen Wochenendschlaf verbunden wird“, schlussfolgern Åkerstedt und Kollegen. Dies lege nahe, dass wenig Schlaf unter der Woche am Wochenende kompensiert werden könne und dass sich dies positiv auf die Mortalität auswirke. Die Interpretation sei „spekulativ“, wie die Wissenschaftler betonen, sie müsse in weiteren Längsschnittstudien überprüft werden.

Literatur: Åkersted T, et al. 2018. Sleep duration and mortality – does weekend sleep matter? J. Sleep Res. May 22. [Epub ahead of print]

Heft 08-2018


Autor

Jörg Stanko

Physiotherapeut seit 1992; bis 2013 in verschiedenen Praxen und Krankenhäusern tätig; Schriftsteller; schreibt Romane, Kinder­bücher und Ruhrgebietskrimis; Referent für kreatives Schreiben; Vater eines Sohnes; freier pt-Autor und pt-Redakteur

stanko@pflaum.de

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