_Praxis

Nicht nur meckern, sondern mitmachen!

Aus unserer Rubrik "Unter uns"

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Ich bin Ines Rohwer und 27 Jahre alt. Seit Ende meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin vor circa fünf Jahren lebe und arbeite ich in Kiel. Hier habe ich vor drei Jahren den Bachelor of Science in Physiotherapie an der Fachhochschule Kiel und einige Fortbildungen gemacht. Trotz meiner guten Qualifikation frage ich mich – wie so viele aus meiner Branche –, ob sich der große finanzielle Aufwand, wie Schulgeld, Studien- und Fortbildungsgebühren, gelohnt hat. Mit meiner Qualifikation hatte ich mir meinen Verdienst weitaus besser vorgestellt. Die Überlegung, doch einen anderen Werdegang einzuschlagen, habe ich nach wie vor. Allerdings fällt es mir sehr schwer, mich von der Physiotherapie zu lösen. Ich mag meinen Beruf und er bringt mir sehr viel Spaß. Ich denke, diese Situation können viele aus meiner Branche nachvollziehen.

Foto:  jps / shutterstock.com

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Es sind nicht nur die schlechten Verdienstmöglichkeiten, sondern auch kostspielige Aus- und Weiterbildungen, zu viel Bürokratie, die zum bereits vorhandenen Fachkräftemangel führen. Nicht nur ausgebildete Therapeuten wie ich, sondern auch junge Leute sehen in der Heilmittelerbringerbranche keine berufliche Perspektive mehr.

Als in Kiel Therapeutentreffen organisiert wurden, war ich von Anfang an dabei. Ich war von Beginn an überzeugt, dass sich etwas bewegen lässt. Aus dem Austausch, den ich mir erhofft hatte, wurde leider vorerst kollektives Meckern! Trotz nervender Fruststimmung versuchte ich für mich immer etwas Positives aus den Treffen mit nach Hause zunehmen. Es wird sich schon irgendwann bezahlt machen, sagte ich mir. Besonders störend empfand ich Teilnehmer, die nur klagten, gute Ideen mit ihrem Missmut kaputt machten und sich dabei noch absolut passiv verhielten. Dieses Verhalten blockiert ungemein und macht die berufspolitische Arbeit unnötig schwer. Ich stellte fest, dass sich meine berufliche Situation nicht durch Frust bessern würde, sondern nur, wenn ich aktiv werde und mich mit berufspolitischen Themen beschäftige. Deshalb engagiere ich mich nun in der aus den Therapeutentreffen entstandenen Interessengemeinschaft Physiotherapie Schleswig-Holstein e. V. ! Geduld und Engagement haben sich also gelohnt.

Genau dieses Denken wünsche ich mir auch von anderen aus meiner Branche. Weniger passives Meckern, sondern aktiv werden! Die Klagen sind im Einzelnen so leise, dass sie nicht im Land- beziehungsweise Bundestag ankommen werden. Deshalb müssen wir unsere Stimmen und Kraft für die Therapeuten der Zukunft bündeln. Mit Erfolg organisierte die IGPT-SH eine Podiumsdiskussion mit Verbänden, Vereinen, Landes- und Bundespolitikern.

Im April veranstalten wir eine Demonstration in Kiel. Diese Veranstaltung könnte auch euer erster Schritt sein, euch zu engagieren und die Öffentlichkeit sowie die Politiker auf unsere berufliche Situation aufmerksam zu machen. Kommt alle mit uns auf die Straße und macht den Weg frei für die Therapeuten der Zukunft!

 

Demonstration für alle Heilmittelerbringer

Das Motto: „Ihre Therapie ist in Gefahr!“

Nachdem der BvT bereits vier Demonstrationen für alle Heilmittelerbringer organisiert hat, schließt sich nun die IGPT-SH e. V. aus Kiel an. Ines Rohwer ist eine der Initiatorinnen: „Gemeinsam veranstalten wir am 23. April 2016 eine Demonstration und Kundgebung in Kiel. Start des Demonstrationszugs ist um 14.00 Uhr am Hauptbahnhofsvorplatz / Raiffeisenstraße. Die Kundgebung findet um circa 14.45 Uhr auf dem Asmus-Bremer-Platz statt. Wir freuen uns über jeden, der mit uns auf die Straße geht.“

 


Demonstration aller Heilmittelerbringer am 23.04.2016 in Kiel.

Weitere Informationen auf der Homepage der Interessengemeinschaft Physiotherapie Schleswig-Holstein (IGPT-SH): www.igpt-sh.de.

 

 

 

Heftnummer: 4-2016


Autor

Ines Rohwer

Seit 2011 staatlich anerkannte Physiotherapeutin, Physiotherapieschule Damp; seit 2013 Bachelor of Science Physiotherapie, Fachhochschule Kiel; seit 2013 CMD-Therapeutin; seit 2013 Mitarbeiterin der Holstein Reha Kiel; seit 2014 IHK-zertifizierte betriebliche Gesundheitsmanagerin; seit 2015 Gründungs- und Beiratsmitglied IGPT-SH.

inesrohwer@hotmail.de

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